Kleine Reiche & Fremdherrschaften
2006 wurden die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung in der Kalksteinhöhle Jermalai nahe Tutala im äußersten Osten Timors entdeckt, deren Alter mindestens 42.000 Jahre ist. Es wurden Überreste von Schildkröten, Thunfischen und Riesenratten, welche den Höhlenbewohnern als Nahrung dienten, sowie Steinwerkzeuge und Muschelschalen, die als Schmuck verwendet wurden, gefunden.
Jene Funde bestätigen mehr oder weniger die Theorie, dass die Besiedlung Australiens über die Kleinen Sundainseln erfolgte. Von dieser Besiedlungswelle scheinen keine Spuren mehr in der heutigen Bevölkerung Timor-Leste´s zu existieren.
Ab 40.000 v. Chr. wurde Timor in mindestens drei Wellen von Austronesen, Melanesiern und Proto-Malaien besiedelt.
Portugiesischen Schriftstücken zufolge teilte sich die Insel in 3 Herrschaftsgebiete, welche wiederum in zahllose kleine Königreiche unterteilt waren. Eine ausgeklügelte Bündnis- und Heiratspolitik bildete ein Netzwerk, welches die gesamte Insel umfasste.
Im 16. Jahrhundert gründeten die Portugiesen ihre Kolonie Portugiesisch-Timor, deren endgültige Grenzen zum holländischen Teil der Insel erst 1916 festgelegt wurden. Die beiden Kolonialmächte waren lange Zeit noch auf die traditionellen Herrschaftsstrukturen angewiesen, um ihre Territorien zu verwalten, was durch die ständigen Aufstände der Timoresen gegen die Europäer zu erklären ist.
In den Jahren 1942 bis 1945 besetzten japanische Truppen die gesamte Insel und dass obwohl Portugal im 2. Weltkrieg eine neutrales Land war. Die Folge: Ein Guerillakrieg, den alliierte Truppen gegen die Japaner auf der Insel führten, auch bekannt als die Schlacht um Timor. Die Timoresen kämpften auf beiden Seiten dieses Krieges und bekämpften so, mehr oder weniger auch Ihre eigenen Brüder. Man schätzt die Zahl der gefallenen Timoresen alleine auf Seiten Portugiesisch Timors auf bis zu 70.000.
Nach Ende des Weltkrieges wurde Westtimor, als Teil Indonesiens in die Unabhängigkeit entlassen. Osttimor blieb jedoch weiterhin unter portugiesischem Zepter
Die Nelkenrevolution im Jahre 1974 war der springende Punkt, welcher die Verhältnisse Portugals änderte und folglich auch den Weg Osttimors in die Unabhängigkeit ebnete. Zumindest dachte man es zu jener Zeit.
Die beiden grossen Parteien FRETLIN und UDT aber hatten nichts besseres im Sinn, als sich um die Macht zu streiten und nicht in hitzigen verbalen Debatten, sondern vielmehr löste dieses Machtgerangel einen Bürgerkrieg aus, den FRETLIN zwar gewann und auch darauf hin die Unabhängigkeit ausrief. Doch währte diese „Freiheit“ ganze 9 Tage, bis Indonesien Osttimor als 27. Provinz Timor Timur annektierte.
Schätzungsweise 185.000 Osttimoresen starben während der 24 Jahre andauernden Indonesischen Besetzung. Erst nach einen Referendum im Jahre 1999, welches zu Gunsten einer Unabhängigkeit ausging und weitere Gewalt durch pro-indonesische Milizen und der indonesische Armee zur Folge hatte, entsandten die Vereinten Nationen unter australischer Führung die Friedenstruppe INTERFET.
Osttimor kam unter Verwaltung der UNTAET, bis es schließlich am 20. Mai 2002 endgültig unabhängig wurde.
Am 27. September 2002 wurde Osttimor als 191. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen.